Portrait Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche

Er forderte den Menschen auf, sich selbst zu überwinden und eigene Werte mutig zu erschaffen.

1844, Röcken, Sachsen – 1900, Weimar

Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie."

Stell Dir jemanden vor, der jede Gewissheit, an der er sich festhalten könnte, selbst zertrümmert – nicht aus Verzweiflung, sondern weil er glaubt, dass ein Leben ohne dieses Zertrümmern gar keins ist. Nietzsche nahm sich das Geländer weg, an dem sich andere durchs Denken tasten. Und ging trotzdem weiter.

Wer war Friedrich Nietzsche?

Nietzsche war Philologe, bevor er Philosoph wurde – jemand, der Sprache und Text so genau las, dass ihm die großen Gewissheiten seiner Zeit brüchig vorkommen mussten. Mit 24 schon Professor in Basel, mit 34 gesundheitlich am Ende, verbrachte er die produktivsten Jahre seines Denkens als Wanderer ohne festen Wohnsitz, zwischen Sils-Maria, Genua und Nizza. Die letzten elf Jahre seines Lebens verlor er in geistiger Umnachtung – eine Ironie, die er selbst wohl scharf kommentiert hätte.

Der Kerngedanke

Der Kerngedanke, der bei Nietzsche bleibt, ist nicht der oft zitierte „Übermensch“, sondern etwas Leiseres: die Idee, dass wir unsere Werte nicht vorfinden, sondern schaffen. Es gibt kein Fundament, das uns die Arbeit abnimmt, herauszufinden, wofür es sich zu leben lohnt. Das ist keine Einladung zur Beliebigkeit, sondern eine Zumutung – Nietzsche nannte den, der diese Zumutung annimmt und trotzdem ja zum Leben sagt, den, der sein Schicksal liebt: amor fati.

Was hat das mit uns zu tun?

Man muss Nietzsches Pathos nicht teilen, um mit seiner Frage etwas anzufangen. Wo im eigenen Leben übernimmst Du unhinterfragt Werte, die eigentlich nie Deine eigenen waren – aus Erziehung, aus Trend, aus Bequemlichkeit? Amor fati heißt nicht, alles gutzuheißen. Es heißt, die eigene Geschichte so anzunehmen, dass sie zur Grundlage von etwas Neuem wird, statt zur Ausrede.

Friedrich Nietzsche

Vielleicht ist die ehrlichste Frage nicht, was Du glaubst, sondern warum Du es glaubst. Nietzsche hat diese Frage niemandem erspart – auch sich selbst nicht.