Portrait Martin Buber

Martin Buber

Er zeigte, dass wir erst in echter Begegnung zu uns selbst finden.

1878, Wien – 1965, Jerusalem

Alles wirkliche Leben ist Begegnung."

Stell Dir einen Menschen vor, der glaubt, dass unser Leben nicht allein in uns selbst entsteht. Dass wir erst durch die Begegnung mit anderen wirklich erkennen, wer wir sind. Martin Buber verstand den Menschen nicht als isoliertes Individuum, sondern als ein Wesen, das in Beziehungen lebt und wächst.

Wer war Martin Buber?

Martin Buber wurde 1878 in Wien geboren und wuchs im heutigen Lwiw auf. Als Philosoph, Religionswissenschaftler und Schriftsteller beschäftigte er sich intensiv mit dem Judentum, der Mystik und der Frage, was zwischen Menschen geschieht, wenn sie sich wirklich begegnen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte er 1938 nach Jerusalem, wo er bis zu seinem Tod lehrte. Mit seinem Werk »Ich und Du« schuf er eine Philosophie des Dialogs, die bis heute Psychologie, Pädagogik, Theologie und Philosophie beeinflusst.

Der Kerngedanke

Im Mittelpunkt von Bubers Denken steht die Unterscheidung zwischen zwei Arten der Beziehung: »Ich-Es« und »Ich-Du«. In einer Ich-Es-Beziehung betrachten wir Menschen oder Dinge vor allem nach ihrem Nutzen oder ihrer Funktion. Eine Ich-Du-Beziehung hingegen entsteht dort, wo wir einem anderen Menschen offen, ohne Berechnung und mit echter Aufmerksamkeit begegnen. Für Buber liegt genau in dieser Begegnung das Wesen des Menschseins. Wir erkennen uns selbst nicht nur durch Nachdenken, sondern vor allem im aufrichtigen Dialog mit anderen.

Was hat das mit uns zu tun?

In einer Zeit, in der viele Kontakte über Bildschirme stattfinden und Menschen oft nach Leistung oder Nutzen bewertet werden, wirkt Bubers Philosophie besonders aktuell. Sie erinnert daran, dass echte Begegnung mehr ist als Kommunikation. Sie entsteht dort, wo wir bereit sind, dem anderen als Mensch zu begegnen und nicht nur als Kunde, Kollege, Gegner oder Profilbild. Beziehungen werden dadurch nicht oberflächlicher, sondern tiefer – und wir selbst oft ebenfalls.

Martin Buber

Vielleicht findest Du Dich selbst nicht allein in stillen Momenten der Selbstreflexion. Vielleicht geschieht etwas ebenso Wichtiges in den Augen eines Menschen, der Dir wirklich begegnet und dem Du ebenso offen begegnest.