Gedankenimpuls der Salonnière
Was bleibt von einem Menschen, wenn man ihm alle Rollen nimmt?
Gregor Samsa verliert nicht seinen Körper, er verliert seine Funktion und mit ihr, so scheint es, auch seinen Platz in der Welt. Kafka lässt spüren, wie sehr der Mensch gewohnt ist, seinen Wert an dem zu messen, was er für andere leistet: als Kollege, als Vater, als derjenige, auf den man sich verlassen kann. Doch was bleibt, wenn man all das für einen Moment beiseitelegt? Sartre sprach davon, dass der Mensch nichts anderes ist als das, wozu er sich macht, dass er sich seine Existenz erst selbst erschaffen muss, jenseits jeder vorgegebenen Rolle. Camus wiederum fragte, wie man inmitten eines Lebens ohne vorgefertigten Sinn dennoch aufrecht weitergehen kann. Vielleicht ist genau das die stille Einladung hinter Kafkas Geschichte: nicht nach der Rolle zu suchen, die man noch erfüllen könnte, sondern nach dem, was bleibt, wenn keine Rolle mehr da ist. Teile gerne deine Gedanken dazu, es gibt hier keine richtige Antwort.
Gedanken aus dem Salon
Bei mir war's tatsächlich, als ich vor ein paar Jahren sechs Wochen krankgeschrieben war. Bandscheibe! Ich hab gemerkt, wie sehr mein ganzes Selbstbild an "der, der die Firma zusammenhält" hing. Plötzlich lief alles ohne mich weiter, fast reibungslos und das war fast schlimmer als die Schmerzen selbst. Ich glaub, im Management verwechselt man ganz leicht den eigenen Wert mit der eigenen Funktion. Braucht schon eine Weile, das wieder auseinander zu sortieren.
Thomas, was Sie beschreiben, ist im Grunde eine mildere, aber strukturell verwandte Erfahrung derselben Verschiebung: Solange die Funktion ausfällt, bleibt die Frage offen, was von einem übrig ist, wenn niemand mehr etwas von einem braucht. Vielleicht ist die ehrlichste Antwort auf die Salon-Frage nicht, was bleibt, sondern dass wir es oft erst in dem Moment erfahren, in dem uns die Rolle genommen wird, ob freiwillig oder nicht.