Gedankenimpuls der Salonnière
Wem gehört eigentlich unsere Zeit? Uns selbst, oder dem Zeitgeist, der sie uns vorgibt?
Schon vor über hundert Jahren galt Eile als Tugend, Stillstand fast als Sünde und bis heute rechtfertigen wir uns kaum je dafür, wenn wir schnell sind, wohl aber, wenn wir langsam sind. Vielleicht haben wir dabei etwas ganz Grundlegendes verlernt: einfach nichts zu tun, ohne das Gefühl, etwas zu versäumen. Was, glaubt ihr? Ist Muße heute noch möglich, oder ist sie längst zu einem Privileg geworden, das sich nur noch wenige leisten können?
Gedanken aus dem Salon
Simmel beschrieb einst, wie sich der Großstädter vor der Reizflut schützt, indem er innerlich auf Distanz geht und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: aus Notwendigkeit. Vielleicht ist es genau diese stille Distanz, die uns heute fehlt, wenn wir dem Zeitgeist ständig ungefiltert ausgesetzt sind. Simmel würde wohl sagen: "Nicht die Welt muss langsamer werden, sondern wir müssen wieder lernen, ihr mit einem gesunden inneren Abstand zu begegnen."